Stimulation des Sehnervs bei Gesichtsfeldausfall (EBS-Therapie)

Ursachen für Gesichtsfeldausfälle

Ein Gesichtsfeldausfall – das sogenannte Skotom – kann verschiedene Gründe haben. Plötzlich auftretende Sehstörungen können z.B. durch einen Schlaganfall im Auge verursacht werden. Die Anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION) bezeichnet dann eine Durchblutungsstörung bzw. den Verschluss einer Augenarterie, die den Sehnerven (nervus opticus) versorgt. Dadurch kommt es zu einer Unterversorgung des Sehnervenkopfes und die Nervenfasern werden geschädigt.

Das Gesichtsfeld und die Farbwahrnehmung beim gesunden Sehen.
Das Gesichtsfeld und die Farbwahrnehmung beim gesunden Sehen.
Bei einem Gesichtsfeldausfall ist das normale Sehen eingeschränkt.
Bei einem Gesichtsfeldausfall ist das normale Sehen eingeschränkt.

Gesichtsfeldeinschränkungen und plötzliche Sehstörungen können auch durch ein akutes Trauma – beispielsweise durch einen Schlag auf das Auge – ausgelöst werden. Aber auch unterschiedliche Grunderkrankungen, die schon länger bestehen, wie z.B. ein erhöhter Augeninnendruck, Durchblutungsstörungen oder Entzündungsreaktionen, können dazu führen, dass die Zellen an der Netzhaut ihre Funktion einstellen oder unwiederbringlich absterben. Somit kann ein Gesichtsfeldausfall akut oder durch einen schleichenden Prozess eintreten.

Aktuelle Ergebnisse medizinischer Forschung

Durch die Stimulationsbrille werden bei der EBS-Therapie niedrig dosierte Wechselstromimpulse abgegeben und der Sehnerv stimuliert.
Stimulationsbrille bei der EBS-Therapie

Wenn die betroffenen Sehnervenzellen im Auge ihre Funktion noch nicht ganz verloren haben und ihre Struktur noch erhalten ist, kann das verlorengegangene Sehvermögen teilweise wieder hergestellt werden. Um Gesichtsfeldausfälle und andere nervlich bedingte Sehstörungen gezielt zu behandeln, wird der Sehnerv von außen über die Gesichtshaut elektrisch gereizt – ohne operativen Eingriff.

Bei dieser elektrischen Optikusnerv-Stimulation (ONS) können die Sehnervenzellen nicht nur vor dem Absterben bewahrt, sondern deren Regeneration angeregt werden. So können die Zellen des Sehnerven wieder in einen normalen Funktionszustand versetzt werden. Das ist durch mehrere klinische Studien belegt. So kann mit der Sehnerven-Stimulationstherapie ein Gesichtsfeldausfall (Skotom) zumindest zum Teil rückgängig gemacht und das Fortschreiten der Erkrankung verzögert werden. Diese neue Stimulationstherapie heißt EBS Therapie und ist ein nicht-invasives und individuell auf den Patienten abgestimmtes Verfahren.

Optimale Anwendungsbereiche der EBS-Therapie

  • Sehnerveninfarkt (AION oder PION) - Schlaganfall am Sehnerv
  • Sehnervenschäden nach Trauma (Unfall / Schlag aufs Auge)
  • Gefäßverschlüsse am Auge
  • Krankheit/ Ereignis nicht älter als 1 Jahr zurückliegend

Ablauf der EBS-Therapie

Bevor man mit der Sehnerven-Stimulationstherapie beginnt, wird das Gesichtsfeld mittels einer Schwellenperimetrie - einer computergesteuerten Gesichtsfeldprüfung - bestimmt. Damit kann dann im späteren Vergleich der Therapieerfolg beurteilt werden. Die EBS-Therapie wird individuell auf den Patienten angepasst und ist für ihn/sie ein risikoarmes Verfahren. Zur Stimulation der Sehnerven werden elektrische Wechselstromimpulse mittels Oberflächenelektroden angewendet.

Die EBS-Therapie ist nicht-invasiv

Während der EBS-Therapie werden bei jedem Patienten die elektrische Reizstärke und die Frequenz der Strompulse individuell eingestellt.
EBS-Therapie Einstellung

Der Patient trägt bei der Therapiesitzung eine Stimulationsbrille mit den Elektroden. Am Anfang wird die Stärke der elektrischen Reize allmählich gesteigert, bis der Patient eine Lichtempfindung wahrnimmt. Diese sogenannten Phosphene entstehen durch die elektrische Stimulation der Ganglienzellen der Netzhaut bzw. des Sehnerven. Sie ermöglichen für jeden Patienten eine individuelle Einstellung der Stimulation.

Während der Therapiesitzung trägt der Patient eine EEG-Haube. Mit dieser werden die Hirnströme gemessen und deren Muster für die Einstellung der Frequenz (Reize pro Sekunde) der elektrischen Stimulation des Sehnerven genutzt.

Die Sehnerven-Stimulationstherapie wird ambulant durchgeführt und eine Sitzung dauert ca. 70 Minuten. Der ganze Therapiezyklus besteht aus zehn Therapiesitzungen, die möglichst an zehn aufeinanderfolgenden Werktagen durchgeführt werden sollen.

Kosten der EBS-Therapie

Bei der EBS-Therapie handelt es sich um ein neues Verfahren. Daher gibt es noch keine geregelte Erstattung der Kosten durch die gesetzliche Krankenversicherung.

Kosten nach Gebührenordnung  
Erstberatung und Eignungsprüfung ca. 100 EURO
Behandlungsblock (10 Behandlungssitzungen ) ca. 4000 EURO

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