Multifokallinsen Probleme und Risiken

Mehrstärkenlinsen - auch multifokale Intraokularlinsen oder Multifokallinsen genannt - werden seit mittlerweile über 25 Jahren eingesetzt. Besonders in den letzten 10 Jahren haben sie sich enorm weiterentwickelt und erbringen herausragende Sehergebnisse.

Es gibt die Kunstlinsen als Bifokallinsen oder Trifokallinsen, d.h. es werden entweder Ferne und Nähe korrigiert oder Fern-,Nah- und Zwischenbereich. Zusammen mit Ihrem Augenarzt wird für Ihre Sehanforderungen die Linse gewählt, die zum bestmöglichen Sehergebnis führt.

Aber - wie bei jedem hoch entwickelten System - müssen auch bei Multifokallinsen entsprechende Voraussetzungen am Auge vorliegen, damit es nicht zu Problemen kommt.

 

Inhalt

Voraussetzungen für optimale Implantation von Multifokallinsen

Für ein optimales und problemloses Ergebnis nach einer Implantation von Multifokallinsen ohne Nebenwirkungen sollten folgende Voraussetzungen gegeben sein:

  • Fehlsichtigkeit von +5,00 bis -10,00 Dioptrie
  • regelmäßige Hornhautverkrümmung (Hornhauttopographie)
  • räumliches Sehen (Titmus mindestens 3)
  • KEINE starke Schwachsichtig auf einem Auge (Amblyopie seit Kinderalter)
  • KEIN manifestes Schielen
  • KEINE Netzhauterkrankungen / Makuladegeneration
  • KEINE ausgeprägten Gesichtsfeldausfälle (z.B. bei schweren Formen des Glaukoms)
  • KEINE organischen Hornhauterkrankungen (Endotheldysplasien) oder Narben

Nebenwirkungen nach Implantation von Multifokallinsen

Halos und Lichtstreueffekte sind besonders in den ersten 8 Wochen nach Implantation von Multifokallinsen präsent und nehmen dann allmählich ab.
Halos und Lichtstreueffekte

Werden die Voraussetzungen für Multifokallinsen nicht eingehend geprüft, können folgende Probleme und Risiken nach einem Linsentausch mit multifokalen Linsen auftreten:

  • "Schlagschatten" in der Nähe oder in der Ferne
  • Doppelkonturen
  • Unschärfe
  • Störende Lichtringe oder Strahlenkränze

Für jedes dieser Probleme gibt es inzwischen sehr gute Nachbehandlungsmöglichkeiten. Diesen geht aber eine genaue Eingrenzung der Ursache mit einer entsprechend zielgerichteten Diagnostik voraus.

Risiken für ein nicht zufriedenstellendes Ergebnis nach einer Multifokallinsenimplantation

  • Sehr kleine Pupillen (i.d.R. bei Alter > 80 Jahren oder starken Rauchern)
  • Starkes Rauchen (Netzhautschwellung, enge Pupillen)
  • Rheumatische Grunderkrankungen (Heilungsverzögerung)
  • Großer Abstand zwischen der Versorgung beider Augen: Bei einer Versorgung mit Multifokallinsen sollten beide Augen sehr zeitnah (optimal: 1 Woche Abstand) versorgt werden, da es sonst zu Sehproblemen kommen kann.
  • Versorgung mit unterschiedlichen Linsen: Es sollte auf jeden Fall vermieden werden, dass an einem Auge eine Multifokallinse und am anderen Auge eine Monofokallinse eingesetzt wird.

Was sollten Sie über Multifokallinsen wissen

  • Phänomene wie Lichtkränze (sog. Halos) oder Lichtstreuungen sind in den ersten Wochen normal. Wenn sich die Augen an die neuen optischen Gegebenheiten gewöhnt haben, werden diese nicht mehr wahrgenommen.
  • Auch eine gewisse Lichtempfindlichkeit ist am Anfang möglich, da durch die neue klare Linse wieder mehr Licht ins Auge gelangt als bei einer bereits eingetrübten Linse (moderne intraokularlinsen verfügen zum Schutz der Netzhaut über einen UV-Filter)
  • Wenn die Fehlsichtigkeit vor dem Linsenaustausch sehr hoch ist, dauert die Eingewöhnungszeit etwas länger.
  • Weil bei einer Multifokallinse (sowohl bei Bifokallinse, als auch bei Trifokallinse) die ‚Abstände durch das optische System festgelegt sind‘, kann es sein, dass man sich an z.B. einen neuen Leseabstand gewöhnen muss. Dies ist erfahrungsgemäß i.d.R. problemlos möglich.
  • Der Nachstar oder auch die sog. Kapselschrumpfung sind operationsbedingt natürliche Reaktionen der Linsenkapsel, in die die künstliche anstelle der körpereigenen Linse eingesetzt wird. Meist macht sich das Fortschreiten durch die Abnahme der Sehschärfe in der Nähe bemerkbar. Die Therapie erfolgt durch eine einmalige schmerzfreie Laserbestrahlung der Linsenkapsel. Der Zeitpunkt, wann der Nachstar oder eine Kapselschrumpfung einsetzt bzw. behandelt werden soll, ist individuell verschieden.
  • Alle Augenzentren, die sich auf Multifokallinsen spezialisiert haben, verfügen i.d.R. über die benötigten diagnostischen Möglichkeiten. Diese haben auch entsprechende Fallzahlen (im Idealfall über 500 im Jahr) und Erfahrung mit Multifokallinsen.

Multifokallinsen und Grauer Star

 Die erforderliche Diagnostik, um Probleme und Risiken bei einer Linsenimplantation mit multifokalen Kunstlinsen ausschließen zu können, gehört nicht zur Standard-Diagnostik bei der Operation des Grauen Star. Diese ist i.d.R. auch nicht Bestandteil kassenärztlicher Leistungen.

Deshalb müssen bei dem Wunsch nach einer Multifokallinsenimplantation einige Zusatzuntersuchungen erfolgen. Nur so können alle möglichen Risiken für Probleme mit Multifokallinsen erkannt und bei der Planung der Operation berücksichtigt werden.

Unsere Empfehlung:

>Hornhauttopographie der Vorder- und Rückfläche der Hornhaut (Pentacam)

>Hornhautendothelanalyse (Endothelmikroskopie)

>Prüfung des räumlichen Sehens

>Untersuchung des Glaskörpers und der Netzhau (Optomap)

Glaskörpertrübungen und Multifokallinsen

Asteroide Hyalose: Krankhafte Verkalkung des Glaskörpers, die Licht verstreuen kann. (Aufnahme: Augenzentrum in München)
Asteroide Hyalose
Asteroide Hyalose Glaskörpertrübung
Asteroide Hyalose Glaskörpertrübung

Während gewöhnliche Glaskörpertrübungen, die sehr viele Menschen ab dem 40. Lebensjahr kennen (Mouches Volantes - "fliegende Mücken") keine Kontraindikation für die Implantation von Multifokallinsen darstellen, sind massivere Verkalkungen des Glaskörpers - sogenannte "Asteroide Hyalosen" ein Hinderungsgrund für das Einsetzen von Multifokallinsen.

Diese Form der Glaskörperdegeneration streut das Licht und führt und zu einem sehr geringen Kontrast. Die Lichtstreuung bewirkt somit eine Abnahme der Sehschärfe.

Dieser Effekt kann durch eine Multifokallinse verstärkt werden. Ist bei einer asteroiden Hyalose der Einsatz von Multifokallinsen dennoch gewünscht, muss mit einer zusätzlichen Operation gerechnet werden. Bei diesem Eingriff, der sog. Vitrektomie, wird der verkalkte Glaskörper entfernt.

Grundsätzliche können vorhandene Störfaktoren in den optischen Medien - also Hornhaut und Glaskörper - bei Multifokallinsen zu Sehschärfe beeinträchtigenden Phänomenen führen.

Deshalb besonders wichtig: vor der Empfehlung zu einer Multifokallinsenimplantation müssen die Hornhaut und der Glaskörper mit hierfür speziell entwickelten Untersuchungsverfahren überprüft werden.

Sind die optischen Medien geeignet, kann man bei der Implantation von Multifokallinsen von einem sehr zufriedenstellenden Ergebnis in der Ferne und in der Nähe ausgehen.

Lesen Sie hier weitere Informationen zu den Untersuchungen:

> Pentacam-Untersuchung der Hornhaut

> Endothelmikroskopie der Hornhaut

> Optomap-Untersuchung des Glaskörpers und der Netzhaut

Hornhauterkrankungen und Multifokallinsen

Mikroskopische Aufnahme der Guttata-Löcher im Hornhautendothel bei einer Fuchs-Endotheldystrophie (Aufnahme: Review of Ophthalmology)
Guttata-Löcher im Hornhautendothel

Reguläre Hornhautverkrümmungen können heutzutage mit modernen Multifokallinsen sehr präzise korrigiert werden.

Jedoch ist mit Multifokallinsen Vorsicht geboten, wenn degenerative Erkrankungen der Hornhaut vorliegen, die zu einer vermehrten Lichtstreuung führen. Hierzu zählt die sogenannte Fuchs‘sche Endotheldystrophie. Diese geht häufig mit erhöhten Hornhautdicken und "lochartigen" Defekten in der inneren Schichte der Hornhaut - sogenannte guttata - einher. Eine solche Hornhauterkrankung sollte vor der Entscheidung für eine Multifokallinse ausgeschlossen werden.

 
 
Beratungshotline
(089) 4545 - 3040

Erstberatungen für Augenlaser und Linsenimplantationen

Unverbindliche Erstberatung für Augenlaser/Linsenimplantation (Dauer: 1 Stunde - Gebühr: 37 € - Standort: Messestadt West U2 ). Bitte kommen Sie ohne eingesetzte Kontaktlinsen.

Unverbindliche Erstberatung für Augenlaser/Linsenimplantation (Dauer: 1 Stunde - Gebühr: 37 € - Standort: Max-Weber-Platz, Einsteinstrasse 1, U4/U5) - Bitte kommen Sie ohne eingesetzte Kontaktlinsen.