Implantierbare Collamer-Linse (ICL): Risiken & Wahrscheinlichkeiten

Die ICL (EVO/EVO+) ist eine sehr sichere Option für mittlere bis hohe Myopie. Damit Patientinnen und Patienten die Entscheidung fundiert treffen, zeigen wir die wichtigsten Risiken und deren Wahrscheinlichkeiten.

Welche Risiken gibt es bei einer ICL Implantation?

Individualrisiken

Unverträglichkeit der Implantate
Wir implantieren ausschließlich die original EVO ICL der neuesten Generation. 
Die Erfahrung von über 3 Millionen Implantationen mit diesen Linsen aus biokompatiblen Collamer zeigt, dass es keine Unverträglichkeit dieses Linsenmaterials gibt. 

Lichtstreuung: Halos, Strahlenkränze, Doppelkonturen
Durch langjähriges Tragen von Kontaktlinsen entsteht oft eine “Frühalterung der Hornhaut”. Man kann sagen: 1 Jahr weiche Kontaktlinsen tragen lässt die Hornhaut um 2 Jahre altern. Das ist anhand der Endothelzelldichte messbar. Liegt eine geringe Endothelzelldichte vor, neigt die Hornhaut zu einer starken Lichtstreuung. Diese äußert sich vor allem durch eine abnehmende Sehqualität in der Nacht und durch eine erhöhte Blendempfindlichkeit.
Eine ICL kann technisch keine erhöhte Blendempfindlichkeit erzeugen. Sie kann jedoch – weil sie hinter der Hornhaut liegt – die Lichtstreuungen der Hornhaut nicht zu 100% abfangen. Das bedeutet: Je gesünder und unbelasteter die Hornhaut ist, desto weniger Lichtstreuungen gibt es nach einer ICL-Implantation oder nach einer Laserkorrektur. 
Eine Laserkorrektur wird in der Mitte der Hornhaut gemacht. Das kann Lichtstreuungen sogar noch verstärken.
Die ICL hingegen verändert die Hornhaut nicht und erzeugt damit auch keine zusätzliche Lichtstreuung
Um abzuschätzen, welche Lichtstreuung ggf. durch die Hornhaut verursacht werden kann, messen wir stets die Endothelzelldichte und analysieren alle Faktoren, die zu einer wahrnehmbaren Lichtstreuung führen könnten. Im Zweifel raten wir von einer Sehkorrektur ab, wenn die Risiken für Lichtstreu-Phänomene zu groß sind.



Erkrankungen (Glaukom / Hornhauterkrankungen)
Die ICL darf gemäß Zulassung nur bei gesunden Augen ohne behandlungsbedürftigen Augeninnendruck implantiert werden. Muss der Augeninnendruck zur Zeit der geplanten / gewünschten Implantation bereits dauerhaft medikamentös behandelt werden, liegt also ein Glaukom vor, ist eine Implantation der ICL aus zulassungsrechtlichen Gründen (noch) nicht möglich.

Bei Keratokonus und Keratotorus ist es prinzipiell möglich, ICL einzusetzen. Allerdings kann die ICL nur maximal so viel korrigieren, wie es eine geeignete Brille kann. Ähnlich wie ein Brillenglas hat die ICL keinen Kontakt mit der Hornhaut und kann daher krankhafte Verziehungen der Hornhaut, wie es bei Keratokonus der Fall ist, nicht auskorrigieren. Die ICL kann bei einem Keratokonus oder Keratotorus lediglich eine Brille ersetzen. Das Sehen ist dann aber nicht mit dem Sehen mit formstabilen Keratokonuslinsen vergleichbar. Eine Kombination von ICL und Kontaktlinsen ist natürlich weiterhin und jederzeit möglich. 

Abweichung von der gewünschten Sehstärke
Als hochspezialisiertes Zentrum für ICL Implantationen verwenden wir die modernste Technik zur Bestimmung der Sehstärken. Unsere hauseigenen Normogramme erlauben eine sehr präzise Bestimmung der Linsenstärken der ICL. Daher sind Abweichungen von der gewünschten Sehstärken – bei gesunden Augen – in unserem Zentrum mit unter einem Promill der Fälle eine höchste Seltenheit.

Sehschwankungen
Sehschwankungen sind abhängig von der Ausgangsstärke. Sie sind so viele Wochen normal, wie man vorher Dioptrien hatte. Also z.B. bei -10 Dpt ca. 10 Wochen. Diese sind besonders in der Nähe in den ersten Tagen spürbar. Die Augen ermüden in dieser Zeit auch schneller als gewöhnlich. 

Verfahrensrisiken

Halos
Halos sind hauchige Lichthöfe um Lichtquellen. Die ICL kann technisch keine Halos produzieren. Werden Halos wahrgenommen, ist die Ursache mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die eigene Hornhaut und weist auf eine geringe Zelldichte hin. 

Lichtringe
Lichtringe sind scharf gezeichnete Kreise um Lichtquellen. Die ICL verfügt über eine zentrale Öffnung zur Ernährung der natürlichen Linsen und zum Druckausgleich im Auge. Wenn das Licht genau an die Kante der Öffnung fällt, kann sie diese zum “Leuchten” bringen, was als Lichtring empfunden wird. Das Gehirn erkennt mit der Zeit dieses Muster und verdrängt es schnell. Vorausgesetzt, man konzentriert sich nicht ständig auf die Lichtringe. Denn dann werden sie vom Gehirn verstärkt und nicht gefiltert und können zu einem Problem werden. In solchen Fällen hilft dann nur die Explantation (Entfernung) der ICL. 
Aus diesem Grund ist eine genaue Aufklärung vor einer Implantation sehr wichtig. Bei MUNICH EYE musste daher noch nie eine ICL explantiert werden.

Rotation von torischen Linsen
ICL Linsen bestehen aus einem hoch wasserhaltigen und sehr weichen Material. Das macht sie auch so biokompatibel und gut verträglich. Nach der Implantation hinter der Iris, “sitzt sich die ICL in den folgenden Tagen ein” und interagiert mit dem körpereigenen Linsenmuskel (Zilliarmuskel). Sie bewegt sich mit der natürlichen Linse mit, wenn diese akkommodiert – also dicker und dünner wird, um das Bild scharf zu stellen. In dieser "Einsetzphase", die in der Regel wenige Tage dauert, kann sich unter Umständen die ICL drehen. 
Bei ICLs ohne Korrektur der Hornhautverkrümmung spielt die Drehung keine Rolle. 
Bei ICLs mit einer Korrektur bei geringer Hornhautverkrümmung (unter 2 Dpt Zylinderstärke) besteht oft eine hohe Rotationstoleranz. Das bedeutet, dass eine Rotation um wenige Grad keine Auswirkung auf das Sehen hat. 
Bei starker Hornhautverkrümmung würde eine größere Rotation zu Unschärfen führen und eine Korrektur oder gar einen Austausch durch eine größere oder kleinere Linse erfordern. 
Um das Risiko einer Rotation zu vermindern, sind die eingesetzte Messtechnik in der Voruntersuchung und die ständige Optimierung der hauseigenen Normogramme von großer Wichtigkeit. Wir setzen eine hochpräzise 3D Scheimpflugtechnik ein, die wir ständig mit anderen Messverfahren validieren. 
Die Kalibrierung der Messsysteme wird täglich durchgeführt. Dadurch haben wir - im Vergleich zu anderen Zentren - eine sehr geringe Anzahl an Rotationen oder Sizing-Problemen zur Bestimmung der richtigen Linsengröße. 
Übrigens: Eine Rotation der ICL bemerkt man nur in der Sehleistung. Sie verursacht keine Reizungen oder andere Missempfindungen am bzw. im Auge! 



Reizungen und Trockene Augen
Im Unterschied zum Augenlasern führen ICL nicht zu Trockenen Augen. Das haben zahlreiche Vergleichsstudien belegt. 
Was man aber wissen muss: Es gibt viele Menschen, die unter einer Kontaktlinsenunverträglichkeit leiden und gerade deshalb nach einer Dauerkorrektur wie Augenlasern oder ICL suchen. Hinter der Kontaktlinsenunverträglichkeit steckt meist eine chronisch-allergische Reaktion der Augenoberfläche gegen das Kontaktlinsenmaterial, die wir als Konjunktivitis Vernalis bezeichnen. Paradoxerweise spüren Betroffene dabei ihre trockenen Augen nicht, solange sie Kontaktlinsen im Augen haben, weil weiche Kontaktlinsen die Trockenheit eine Weile kaschieren können.
Nach der ICL Implantation sind diese Personen nicht mehr auf das Tragen von Kontaktlinsen angewiesen und beklagen dann oft ein Trockenheitsgefühl an den Augen.
Diese Trockenheit kommt aber ursächlich nicht von der ICL, sondern von der vorbestehenden und nun nicht mehr kaschierten chronischen Bindehautentzündung. 
Wir behandeln daher eine solche chronische Bindehautentzündung mindestens 50 Tage vor der OP mit entsprechenden Medikamenten und einer absoluten Kontaktlinsenkarenz. Damit sind die Probleme nach der OP vermeidbar. 

Infektionen
Infektionen gehören zu den ernstzunehmenden Komplikationen nach jeder Operation. Der Bundesdurchschnitt von Augeninfektionen nach einer Operation liegt bei 0,01% bis 0,23% aller Augenoperationen je nach Zentrum und Bundesland. 
Bei MUNICH EYE liegt die Zahl der Augeninfektionen nach einer ICL Operation seit 2007 mit null Fällen bis dato weit unter dem Bundesdurchschnitt.
Dies liegt an unseren sehr strengen Standards für Hygiene und Infektionschutz:

  • Vorbehandlung der Augen bereits 3 Tage vor der OP:
    schnellere Heilung, weniger Reizung
  • Operation beider Augen an einem Tag:
    nur 1 zeitliches Infektionsfenster statt 2
  • ausgiebige Jod-Desinfektion vor der OP
  • nur 1 Zugang pro Auge (statt übliche 3 Schnitte):
    weniger Eintrittspforten und schnellere Heilung
  • Chargentrennung bei Materialien vom rechten und linken Auge:
    Keine Übertragung möglich
  • Einsatz von 4 Antibiotika:
    als Spülung ins Auge und als Tropfen und Salbe in den Bindehautsack
  • Einsatz von Einmalinstrumenten

Vergleich Literatur vs. unsere Daten (in %)

Der Mittelwert der jeweiligen Literatur-Spanne wird den Ergebnissen unseres Verfahrens ICL Pro gegenübergestellt.

RisikoUnsere Daten (ICL Pro)Literatur (Spanne)Warum bei uns weniger?
Linsentrübung (ASC)0,00 %0,00–0,53 %mit EVO deutlich seltener als frühere ICL-Modelle; v.a. bei niedrigerem Vault/älteren Patienten
Endophthalmitis0,0 %0,02–0,04 %extrem selten; OP-Hygiene & intrakamerales Antibiotikum reduzieren das Risiko
IOP-Spitzen (behandlungsbedürftig)0,01 %0,50–3,00 %wir verwenden keine Cortisontropfen und implantieren nur mit wasserlöslichen Gels
Pupillenblock (EVO)0,0 %0,00–0,05 %durch Zentralport extrem selten; keine präop. PI nötig
Re-OP (Rotation/Exchange)0,50 %0,2–10 %Gründe: Verdrehung der Linse nach OP, zu hoher/niedriger Vault
Netzhautablösung (RRD, frühe Jahre)0,0 %0,10–0,85 %Risiko primär myopiebedingt; ICL erhöht es nicht eindeutig

Begriffe einfach erklärt

ASC-Linsentrübung

Anterior subkapsuläre Linsentrübung durch Kontakt oder metabolische Veränderungen. Bei EVO ICL selten.

Dysphotopsien

Lichtphänomene (Halos/Glare). Bei multifokalen Linsen häufiger; nehmen oft mit der Zeit ab (Neuroadaption).

ECD

Endothelzell-Dichte der Hornhaut. Regelmäßige Kontrollen empfohlen.

Endophthalmitis

Sehr seltene bakterielle Entzündung im Augeninneren nach der OP. Sterile Abläufe und Antibiotika senken das Risiko deutlich.

Pupillenblock

Abflussstörung des Kammerwassers. Beim EVO durch Zentralport praktisch verhindert.

Vault

Abstand zwischen ICL und körpereigener Linse, optimal grob 250-900 µm.

Warum sind unsere Raten bei ICL Pro niedriger?

  • EVO/ EVO+ ICL mit Zentralport: keine präoperative Iridotomie, deutlich weniger Pupillenblock und ASC verglichen mit früheren Modellen.
  • Präzise biometrische Messung für die Größenauswahl und Vault-Zielbereich sowie KI-gestützte Sizing-Modelle, die wir in unserem Haus entwickelt haben.
  • Verwendung von wasserlöslichen Gelen zur Implantation zur Vermeidung von Druckspitzen.
  • Netzhaut-Scan vor der OP (ggf. prophylaktische Laserkoagulation) bei myopen Risikofunden.
  • Sterile Einmalsets, getrennte Chargen & intrakamerales Antibiotikum zur Minimierung des Infektionsrisikos.
  • Strukturiertes Tropf-Schema & engmaschige Nachsorge zur Vermeidung von Entzündungen/Druckspitzen sowie keine Cortisontropfen.

Was bedeutet das für mich als Patientin oder Patient?

Die individuellen Risiken hängen u. a. von der Höhe der Myopie bzw. der Augenlänge, der Vorderkammer-Tiefe, der Endothelzellzahl, der Linsengröße/Vault und der konsequenten Nachsorge ab. Wir besprechen Ihre persönlichen Werte und wählen die optimale Linse.

Sie möchten einen Termin zur Erstberatung?

Buchen Sie gleich hier online Ihren Wunschtermin oder melden Sie sich telefonisch.

TERMIN

Quellen

• Parkhurst G. et al. Three-Year Results from the United States FDA Prospective Multicenter Clinical Study of the EVO/EVO+ ICL. Dovepress OPTH, 2025.

• Packer M. The ICL with a central port: review of the literature. Clin Ophthalmol, 2018.

• Kamiya K. et al. Nationwide Multicenter Study on EVO-ICL (1 Jahr): ECD-Verlust ~0,8%. Frontiers in Medicine, 2022.

• Yang W. et al. Four-year observation of corneal endothelium changes after ICL. BMC Ophthalmology, 2020.

• Al-Abdullah A. et al. Retinal complications after pIOLs: RRD ~0,7% (ICL). PubMed, 2015.

• Bamashmus M. et al. Posterior vitreous & RD after ICL: RD ~0,32%. PMC, 2013.

• Zhang H. et al. Perioperative problems related to ICL: Endophthalmitis ~0,0167%; Sekundärglaukom 0–5%. Int Ophthalmol, 2022.

• Hirabayashi M. et al. ICL Exchanges/Explantations due to sizing in US high-volume center: ~1,1%. Dovepress OPTH, 2025.

• Wei R. et al. Realignment/Exchange after EVO ICL: ~0,21%. PubMed, 2022.