Manche Patientinnen und Patienten haben ein Auge, das sich bereits seit Kindheit an nicht normal entwickelt hat. Man spricht dann von einer Amblyopie (Schwachsichtigkeit). Das bedeutet: Selbst wenn Optik und Linse perfekt eingestellt sind, erreicht dieses Auge nie die gleiche Sehschärfe wie ein gesundes Auge – weil die Entwicklung im Gehirn begrenzt ist. Für den refraktiven Linsentausch hat das zwei wichtige Konsequenzen:
1. Das amblyope Auge bleibt begrenzt.
Auch nach einem technisch optimal durchgeführten Linsentausch wird dieses Auge keine „Adleraugenstärke“ erreichen. Wir können die Weitsichtigkeit korrigieren, das Bild schärfen und die Brillenabhängigkeit senken – aber die maximale Sehschärfe bleibt durch die Amblyopie begrenzt.
2. Fokus auf das besser sehende Auge und eine gute Balance beider Augen.
In solchen Situationen planen wir die Linsenstärken so, dass das bessere Auge maximal profitiert (oft Ziel: möglichst brillenfreie Ferne) und das schwächere Auge optisch so eingestellt wird, dass es sinnvoll mitarbeiten kann, ohne das Gesamtergebnis zu stören. Gerade bei einseitiger Amblyopie und zugleich hohen Weitsichtigkeiten ist es häufig so, dass wir eine brillenfreie Fernsicht anstreben, während für die Nähe weiterhin eine Lesebrille benötigt wird – und zwar unabhängig davon, wie modern oder hochwertig die Linse ist.
Wichtig ist hier eine sehr klare Aufklärung: Der Linsentausch kann das amblyope Auge nicht „heilen“, aber er kann helfen, das vorhandene Sehpotential bestmöglich auszunutzen und die Unterschiedlichkeit zwischen beiden Augen optisch zu reduzieren. Viele Patientinnen und Patienten empfinden das trotzdem als deutliche Verbesserung im Alltag.